Beim Schreiben des Beitrages ist mir aufgefallen, dass ich letztes Jahr – im ganzen Durcheinander – den Beitrag über unseren Weg zu Oskars Diagnose irgendwie komplett vergessen habe! Ich weiß, einige von euch warten darauf, aber da es doch schon 3,5 Jahre her ist (!!) werde ich ein wenig länger dafür brauchen.

 

Ausgangsposition

 

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Da es unserem Oskar in seinem Kindergarten sehr gut ging (nachdem ich ihn aus einem ersten herausgenommen hatten – unglaublich was für einen Unterschied so eine Einrichtung auf die Entwicklung des Kindes haben kann!!!), bekam ich leider keine Integrationshilfe schon direkt zum Schulstart genehmigt. Man müsse erst einmal schauen wie es läuft. Wenn es sich dann als notwendig erwiese, dann könne man sich immer noch wieder zusammensetzen.
Schade, dass die zu vorhersehenden, offensichtlichen, Schwierigkeiten immer erst schlimm genug sein müssen ehe etwas passiert. Viel schöner wäre es doch, wenn man unseren Kindern diesen Stress von vorn herein – aber das ist natürlich eine Kostenfrage. Und es hätte ja auch wundersamerweise sein können, dass Oskar in der Schule keine Schwierigkeiten haben würden

Auffälligkeiten

 

Oskars Schwierigkeiten in der Schule trafen wirklich 1-zu-1 so ein wie ich es vorhergesagt hatte. Ich wusste, dass ich nicht befürchten müsste er würde irgendwie aggressiv gegenüber anderen sein.
Es gab kleinere Auffälligkeiten, auf die ich seine Lehrerin auch vorbereitet hatte, damit es nicht als schlechtes Verhalten gesehen wird. Oskar hat schon immer viel lautiert. Besonders in Stresssituationen. Und beim Essen – keine Ahnung warum?! Das bleibt natürlich auch im Unterricht nicht aus. Es ist bei Oskar ein ständiges Summen von Melodien, und solange es nicht allzu laut ist lässt man ihn es glaub ich einfach machen.
Eine weitere Sache die auffiel war, dass Oskar recht zappelig auf seinem Stuhl ist, und hin und wieder ganz plötzlich einfach mal aufspringt. Seine Lehrerin bittet ihn dann einfach, sich wieder hinzusetzen, was er auch macht.  Genauso kann ein plötzliches lautes Gequieke vorkommen. Aber auch das wird akzeptiert. Es gehört halt einfach zu Oskar dazu.
Insgesamt kann ich mich also wirklich nicht über Oskar, seine Klasse und seine Lehrerin beschweren. Sie lässt bei Oskar vieles durchgehen wofür die anderen Kinder vielleicht getadelt würden. Und da mindestens die Hälfte der Klasse Oskar schon vorher kannte, nimmt auch die Klasse Oskar einfach so hin wie er ist.
Aber es gab zwei Sachen, die mir so richtig Sorgen bereiteten.

 

1. Die Nachmittagsbetreuung

 

Da Schule zu einem Zeitpunkt aufhört an dem es für mich unmöglich ist abzuholen, und auch weil ich wusste, dass Oskar zu Hause nie und nimmer seine Hausaufgaben auch nur ansatzweise selbstständig machen würde, hatte ich versucht, ihn in seinem ehemaligen Kindergarten im Hort unterzubekommen.

image4Leider habe ich – als stinknormale Hausfrau – so ziemlich unterste Priorität, und da ich im ganzen Stress mit Tim um Ostern herum auch noch einen Infonachmittag versäumt hatte, wurde ich sogar gänzlich von der Warteliste gestrichen. Also musste ich Oskar in die Nachmittagsbetreuung der Schule schicken, von der ich eigentlich wusste, dass sie für ein Kind wie Oskar total ungeeignet ist. Über 50 Kinder. Auf 2 (hallende) Kellerräume verteilt. Hausaufgaben können, müssen aber nicht gemacht werden. Oskar hat sich natürlich für letzteres entschieden, aber dass er sich bei dem Lärm nicht konzentrieren konnte, dass konnte ich ihm gar nicht übelnehmen!
Jeder Morgen fing mit Verweigerung an, und ich hatte die starke Vermutung, dass es an eben dieser Nachmittagsbetreuung liegt. Denn seine Klassenlehrerin hat Oskar sehr gern, wie er immer wieder betont.
Leider kam ich aber beim Hort nicht weiter. Auch wenn sich seine ehemalige Kindergärtnerin versuchte für einen Hortplatz für Oskar einzusetzen, mit wurde doch nur die ellenlange Warteliste gezeigt.

 

2. Konzentration/ leicht abgelenkt sein

 

Ein weiterer Punkt den ich befürchtet hatte war, Oskar Schwierigkeiten sich auf Dinge einzulassen die er ausführen muss, und sich über einen Zeitraum zu konzentrieren. Oskar war schon immer unser Träumer. Es ist zwar schon viel, viel besser geworden (ich denke nur an Erde an Oskar), aber gerade bei Dingen die ihm schwerfallen oder ihn nicht interessieren schafft Oskar es einfach nicht, bei der Sache zu bleiben. Und da er bis Schulanfang noch überhaupt kein Interesse an Buchstaben und Zahlen gezeigt hatte, wusste ich, dass es hier sehr problematisch werden könnte.

 

Und genauso kam ist. Bereits in der ersten Woche erzählte mir Oskar – sichtlich selber geschockt – dass er im Unterricht eingeschlafen sei. Seine Lehrerin hatte der Klasse erlaubt, sich zwischendurch etwas auszuruhen und den Kopf auf den Tisch zu legen….Oskar wachte erst wieder auf, als die Lehrerin ihr mehrfach ansprach. Da klingelten bei mir schon die ersten Alarmglocken.

 

Außerdem merkte ich immer mehr, wie gestresst Oskar im Unterricht und bei den Hausaufgaben sein muss – denn seine Arbeitsblätter waren übersät mit Kritzeleien, waren zerrissen und zerschnitten…sahen unmöglich aus. Mein Magen zog sich zusammen wenn ich seine Hefte sah.

 

Auch Zuhause fing Oskar plötzlich an, seine Möbel und Fußboden mit (zum Glück nur) Bleistiften und Schere zu dekorieren. Als Folge bat ich seine Lehrerin, sein Schlampermäppchen zu beaufsichtigen, so dass er zumindest zur Schere nun nur noch Zugriff hat wenn er sie tatsächlich benötigt.

 

Zur gleichen Zeit beobachtete ich, wie die farbigen Zettelchen in seinen Heften immer mehr wurden. Je nach Farbe bedeuteten diese, dass entweder etwas falsch war, fehlte oder ergänzt werden müsste. Der Anblick dieser – denen wir irgendwie überhaupt nicht mehr Herr werden können – stresste Oskar und beunruhigte mich sehr.

 

Ich hatte zwar zwischendurch schon einige Male mit Oskars Lehrerin gesprochen und mich darauf eingelassen, ihm bis zu den Herbstferien Zeit zu lassen, doch mit nahenden Ferien bat ich nun doch darum, sich beim Jugendamt zwecks HPG zu melden, was sie glücklicherweise dann auch direkt tat.

 

Was sie außerdem tat war, dem Jugendamtmitarbeiter mitzuteilen dass sie glaube, dass Oskar im Hort viel besser aufgehoben sei, und dass die Schulbetreuung ihn nur unnötig zusätzlich stressen würden.

 

Das Hilfeplangespräch (HPG)

 

Anwesend waren Oskars Lehrerin, Das Jugendamt, meine Wenigkeit (samt gut gelaunter, aller bezirzender Julia) und die Leitung der Kita mit dem Hort Mitarbeiter.

 

Hort

 

Was den Hort betrifft lässt es sich recht kurz und knapp zusammenfassen. Oskars Lehrerin erklärte, dass sie spüre dass die Schulbetreuung Oskar sehr zusetzt, und dass sie davon überzeugt ist, dass es Oskar im Hort sehr viel besser gehen würde, und er dort auch die Hausaufgaben schaffen würde. Auch ich bestätigte, dass sich die gute Struktur der Kita positiv auf Oskar auswirken würde.

Die Leitung der Kita und der Hort Mitarbeiter willigten ein, Oskar im Unterricht zu beobachten und, wenn sie es sich danach vorstellen können – im eine 6 wöchige ‚Probezeit‘ im Hort zu gewähren.

 

Unterricht

Was den Unterricht angeht wollte der Jugendamt Mitarbeiter gaaanz genau wissen, inwiefern Oskar denn nun ‚in seiner Teilhabe beeinträchtigt oder nbnachteiligt‘ sei. Denn wenn ein Kind im Unterricht nicht mitkommt, das heißt es ja noch lange nicht, dass es auch einer Integrationshilfe bedarf, bzw., dass diese diesem Problem entgegenwirken kann.

 

Es gelang aber schließlich mir und Oskars Lehrerin zu überzeugen, dass eine Integrationshilfe Oskar dabei helfen könne, ihn bei der Sache zu behalten, oder ihn ‚wieder einzufangen‘ wenn er doch wieder abgedriftet ist. Auch meinte seine Lehrerin, dass eine Integrationshilfe sich auch mal mit Oskar gemeinsam in den ruhigen Flur setzen könne um zu arbeiten, wenn es in der Klasse selber etwas zu unruhig ist. Denn bei Unruhe kann sich Oskar natürlich noch viel, viel weniger konzentrieren.

 

Fazit: Oskars Lehrerin solle bitte alle Formalitäten ausfüllen und dem Jugendamt zukommen lassen. Mein eigener Antrag lag demselben schon seit vor Schulbeginn vor….

 

Patience is a virtue

 

Nun hatte ich doch tatsächlich gehofft, dass Oskar noch vor den Weihnachtsferien, oder zumindest zum neuen Jahr, eine Integrationshilf an seiner Seite haben würde.
Was den Hort anging, gab es tatsächlich eine sehr positive Entwicklung. Plötzlich ging Oskar nach der Schule gerne weiter in seine Betreuung. Und da es im Hort die klare Regel gibt ‚erst Hausaufgaben, dann Spielen‘, machte Oskar von nun an auch ordentlich seine Hausaufgaben und arbeitet sogar noch einige der ‚to do‘ Zettel in den Heften ab.

 

Liebend gerne hätte ich Oskar zeitgleich mit Frederik um 14.00 abgeholt. Doch war da Oskar noch laaaaaange nicht fertig. Er machte also zwar seine Hausaufgaben, braucht aber verdammt lange. Mir wurde gesagt dass Oskar einfach nur merken müsse, dass er sich selber schadet wenn er so langsam arbeite und viele Pausen mache. Und er sei ja schlau, könne es ja eigentlich. Ich versuchte zu erklären….

 

Was die Schule anging, so tat sich irgendwie gar nichts. Außer dass ich merkte, dass Oskar sich extrem schwer tat mit dem Lesen lernen, und auch das Konzept von Zahlen und dem Rechnen noch überhaupt nicht verstanden hatte. Ich weiß ja, dass Oskar ein schlaues Kerlchen ist, konnte mir aber auch gut vorstellen, dass er während der Schulstunden mit seinen großen Augen vor sich hinträumend da saß aber überhaupt nichts aufnahm.

 

Ich beschloss also, seine Lehrerin anzusprechen, ob denn ihr Antrag inzwischen beim JA vorläge. Die Antwort? NEIN! Denn sie habe erst einmal abwarten wollen, ob sich Oskars Schwierigkeiten in der Schule legen würden dadurch dass er nun nachmittags besser aufgehoben ist.

 

Ich fragte mich, wie das denn genau funktionieren soll. Das eine war Stress. Das andere hat damit zu tun, dass Oskar sich einfach nicht konzentrieren kann. Wie der Hort dem in der Unterrichtszeit entgegenwirken kann, das ist mir schleierhaft. Aber gut, Oskars Lehrerin versprach, den Antrag noch in der Woche abzuschicken. Doch war es da schon zu spät dass klar war, dass man sich wohl erst im neuen Jahr mit dem Antrag überhaupt befassen würde. Sehr ärgerlich!!

 

Entwicklung Schule

 

Oskars Lehrerin ist wirklich sehr sympathisch. Und bei vielem versucht sie sich auch wirklich in Oskar hineinzuversetzen und ihm zu helfen (Beispiel Hort!). Im Klassenzimmer wurde Oskar zum Beispiel ein Sitzplatz direkt vor der Tafel und Kopfhörer angeboten, damit er beim Arbeiten nicht so sehr von Rest der Klasse abgelenkt würde. Das Hat Oskar auch gerne angenommen, doch gut gearbeitet hat er dennoch nicht. Zu sehen ist es an den weiter munter zunehmenden Zetteln.

 

Um zu verhindern, dass Oskar allzu sehr Lernstoff verpasst fing seine Lehrerin an, Oskar in Pausen zurückzubehalten, damit er Stoff nachholt. Oder er wird während des Sportunterrichts in eine andere Klasse gesetzt, um Arbeitsblätter fertig zu machen.

 

Ich kann seine Lehrerin gut verstehen. Wirklich. Und natürlich ist es wichtig, dass Oskar nicht noch mehr Lernstoff verpasst. Doch würden gerade Pausen und Sportunterricht Oskar Gelegenheit bieten sich auszupowern und neue Kraft zu tanken, um dann im Unterricht vielleicht etwas aufpassen zu können.

 

Die Weihnachtsferien

 

image2(1)Mir bewusst wie sehr Oskar im Unterrichtsstoff hinterher hinkt, haben wir in den Ferien jeden Tag ein wenig gearbeitet. Mal etwas Lesen, mal etwas Rechnen. Und jedes Mal ging mir durch den Kopf ‚Verdammt noch mal, warum muss sich mein Sohn so sehr quälen? Und ‚dumm‘ fühlen? Warum konnte man ihm nicht direkt Hilfe zur Seite stellen?

 

Und dass es Oskar nicht gut ging merkte man an seinem Verhalten zuhause über die Ferien. Natürlich kam noch einiges andere hinzu. image1(1)Weihnachten generell ist wohl für jeden Autisten eine sehr stressige Zeit. Dazu kam, dass Tim wieder Zuhause war und sich doch sehr schwer tat, und auch jedem klar war, dass Tim ab dem neuen Jahr in einer Wohngruppe weiter weg wohnen würde. Doch Oskars Verhalten war wirklich sehr, sehr anstrengend. Und sein Spielverhalten erinnerte an das vor einigen Jahren, als er noch sehr viel aufreihte etc.. Acuh tat er sich plötzlich wieder sehr schwer mit Übergängen oder abgeänderten Tagesabläufen.

 

Letzte Woche habe ich erneut beim Jugendamt darum gebeten, dass man sich doch bitte noch vor unserer Kur (in nun 3 Wochen!!) Oskars Antrag anschauen möge, da er immer weiter hinterher hinke. Wieder musste ich erklären, was dies mit einer Integrationskraft zu tu hat. Doch mir wurde gesagt man würde es versuchen.

 

Morgen werde ich wohl ein weiteres Mal dort anrufen müssen, denn gehört habe ich noch immer nichts.

 

Nun bin ich gespannt (und besorgt!) wie Oskar in den 3 Wochen Kur Schulaufgaben erledigen wird. Denn diese werden dir ja nur beaufsichtigt, nicht wirklich betreut, Kein wirklich günstiger Zeitpunkt für Oskar, um 3 Wochen Schule zu verpassen, doch das lässt sich nun leider nicht ändern.

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