Kur13

Momentan geht es bei uns mal wieder drunter und drüber. Bevorstehender Umzug, bevorstehende Geburt, Probleme mit Schule, tausend Dinge zu organisieren und Entscheidungen zu treffen.Gerade in solchen Zeiten denke ich viel an die Mutter-Kind-Kur zurück, zu der ich im Februar 2013 mit Oskar und Frederik war.

Ich hätte nie gedacht wie gut mir diese Kur tun würde. Sogar der Kinderarzt meinte zu mir, dass wenn ich wirklich Erholung haben wolle, dann wäre eine Mutter-Kind-Kur nicht das Richtige für mich. Und tatsächlich hat alles ziemlich katastrophal angefangen, so dass ich in den ersten Tagen abends verzweifelt und heulend bei Michael zu Hause anrief.

Der Antrag und Auswahl der Kurklinik

Genehmigt wurde mein Antrag auf eine Mutter-Kind-Kur innerhalb weniger Tage, obwohl mich andere Mütter vorher vorgewarnt hatten, dass die Krankenkassen wohl gerne den ersten Antrag erst einmal ablehnen würden. Nicht so bei mir, wofür ich sehr dankbar war.

Die Wahl einer Kurklinik war für mich recht einfach, da ich unbedingt an die Nordsee wollte. 1. weil ich den Norden einfach vermisste, und 2. in der Hoffnung, dass es sich positiv auf Oskars Bronchitis Probleme und meine Allergien auswirken würde.

Kur16Natürlich gab es eine recht lange Wartezeit (6 Monate), aber das war für mich in Ordnung. Mir wurde für Februar ein Platz angeboten – allerdings unter der Voraussetzung, dass Tim NICHT mitkommt! Man habe keine Kapazitäten für ein Kind wie ihn. Auf der einen Seite wollte ich sowieso gerne ohne Tim fahren, da meine Energie doch größtenteils zu ihm fließt und ich dringend etwas Abstand brauchte. Aber andererseits machte es mich auch wütend, dass eine Kurklinik so einfach ein Kind aufgrund seiner Diagnose ablehnen kann. Es wurde mir ganz klar gesagt, dass der Platz nur an mich vergeben werden könne wenn Tim zu Hause bleibt. Bei Oskar wurde eine Ausnahme gemacht, da er ohne größere Probleme in einem Regelkindergarten ist.

Vorbereitung

Oskar war damals gerade 4 geworden, Frederik war 2 ½. Mir Oskars Schwierigkeiten, sich an Veränderungen zu gewöhnen, bewusst, fing ich rechtzeitig damit an, ihn auf die bevorstehende Kur vorzubereiten. Ich habe mit ihm also darüber gesprochen – auch wenn ich mir unsicher war wieviel er davon wirklich versteht, habe ihm den Prospekt gezeigt und bin mit ihm auf die Internetseite der Kurklinik gegangen. Aber natürlich bedeutete allein der Gedanke daran, an einen anderen, unbekannten Ort zu fahren, großen Stress für Oskar. Und das machte sich bemerkbar durch extrem unruhiges Verhalten, viele Wutanfälle, starkes Lautieren etc, so dass sich meine Nerven dem Ende neigten.

Ich versuchte dafür zu sorgen, dass Oskar auch in der Kurklinik so viel Gewohntes wie möglich dabei haben würde, und dass ich dort so viel gewohnte Routine wie möglich beibehalten könnte. Also kamen außer Büchern und tragbarem DVD Spieler für Lieblings-DVDs auch sein CD Spieler, sein Kuscheltier und Nachtlicht und einiges Spielzeug mit.

Die ersten Tage

Kur3Trotzdem war ich nicht auf die ersten Tage in der Kurklinik vorbereitet!!! Wir kamen an (nach 7 Stunden Autofahrt) und Oskar ging direkt in Verweigerung. Es half auch nicht, dass der Eingangsbereich zu unserer Ankunft sehr voll war und zudem noch große, automatische Schiebetüren hatte, die bei Oskar Panik auslösten. Frederik machte sich einen Spaß daraus, immer wieder nahe an die Türen zu laufen, nur damit die sich dann wie von Zauberhand öffneten. Oskar dagegen traute den Türen nicht. Schloss sich die Tür, blieb Oskar wie angewurzelt stehen. Wenn ich dann auf der anderen Seite stand, die Tür sich schloss, fing er panisch an zu schreien, weil er dachte er käme nicht mehr zu mir.
Auf unserem Zimmer abgekommen, versuchte ich es erst einmal etwas ‚heimelig‘ einzurichten und den Jungs ihren Schlafplatz zu zeigen. Und dann war es auch schon Zeit für unseren Vorstellungstermin beim Klinikarzt. Hier war alles gut… bis wir im Wartezimmer aufgerufen wurden um ins Sprechzimmer zu gehen. Oskar ging in die komplette Verweigerung, schrie, tritt, und ich musste ihn mal wieder unter den Arm nehmen und ins Zimmer schleppen. Auch dort beruhigte er sich nicht, brüllte, versuchte mich und den Arzt zu hauen, treten und beißen. Mit Worten kam ich überhaupt nicht an ihn ran und nahm ihn auf meinen Schoß, wo ich ihn richtig fixieren musste. Trotzdem versuchte er mit all seinen Kräften (die in solchen Situationen sich irgendwie immer zu verzehnfachen scheinen) mich weiter zu beißen und zu kratzen. Der Arzt war sichtlich geschockt. Eigentlich war geplant gewesen, dass auch Oskar auf der Kur mitbehandelt würde um seine Lunge und Bronchien zu stärken – aber das rutschte ganz schnell ganz weit in den Hintergrund.
Viel wichtiger war die Aussage des Arztes: entweder fängt sich Oskar wieder innerhalb der nächsten 3 Tagen, oder wir müssten abreisen. Denn für so etwas sei man dort nicht ausgestattet.

Die ersten Tage blieben schwierig. Oskar war sehr emotional, verweigerte alles, schlug und trat nach allem und jedem der in seine Nähe kam. Abends rief ich, fix und fertig, Michael an und konnte nicht aufhören zu weinen. Ganz so hatte ich mir Mutter-Kind-Kur irgendwie nicht vorgestellt. Die Aussage des Arztes war auch klar gewesen. Wenn Oskars Verhalten sich nicht besserte, müssten entweder nur er oder wir alle abreisen.

Aber wie sollte man das schaffen? Wir waren schließlich gut 650km von Zuhause entfernt!

Magen-Darm-Virus

Kur9Als nächstes traf ein, wovon mir alle schon vorher erzählt hatten – es ging ein Magen-Darm-Virus um, von dem wir natürlich auch nicht verschont blieben. Wahrscheinlich kam uns aber letztlich gerade dieser Virus zur Rettung! Denn so waren wir fünf Tage lang unter Quarantäne, bis wir alle den Virus ausgestanden hatten. Wir mussten zwar nicht die ganze Zeit in unserem Zimmerchen bleiben, durften aber eben nicht in die – für Oskar sicher unerträglich lauten und wuseligen – Räume wie Essenssaal, Kinderbetreuung etc. Stattdessen schnappte ich mir den Doppel-Kinderwagen und ging mit Oskar und Frederik auf Spaziergänge am Deich entlang.Der Wind war eisig, aber die Sonne schien, und es tat uns allen gut, draußen unterwegs zu sein. So hatte Oskar Zeit, sich langsam – nur mit mir und Frederik – an die neue Umgebung zu gewöhnen. So langsam entspannte sich die Lage, und ich konnte wieder etwas positiv auf die kommende Zeit blicken.

Nachdem wir wieder gesundgeschrieben worden waren fing ich an, Oskar und Frederik in der Kinderbetreuung einzugewöhnen. Oskar tat sich natürlich schwer damit, wollte sich weder von mir noch von Frederik, der wegen seines Alters in eine andere Gruppe gehen musste, trennen. Auch musste er sich erst einmal an die neue Routine gewöhnen und anpassen. Insgesamt klappte es dann aber erstaunlich gut. Nur ich hatte jeden Morgen beim Abgeben einen ziemlichen Kampf ihn abzugeben.

Frederik fügte sich problemlos in seine Gruppe ein. Das einzige was ihm Probleme bereitete war, dass er eigentlich nur in der Zeit betreut werden sollte in der ich selber Anwendungen hatte. Das Kur14war ein unheimliches hin und her für ihn, und er konnte es auch gar nicht verstehen. Schließlich ging er hier in Kaiserslautern schon seit seinem 2. Geburtstag von 8.00-14.00 in den Kindergarten. Nachdem es mir immer mehr den Nerv kostete, zwischen meinen Anwendungen und der Kinderbetreuung hin und her zu laufen, und einen sich zunehmend beschwerenden Frederik abzugeben oder mitzunehmen, sprach ich mit den Erziehern. Der Sinn meiner Kur war ja nun mal gewesen, dass ich dem extremen Stress von Zuhause entkommen konnte, um meine Batterien wieder etwas aufzuladen. Aber so war es einfach nicht möglich. Zum Glück war man schließlich bereit eine Ausnahme zu machen, und so durfte Frederik von da an bis mittags dort bleiben, und ich holte ihn dann zum Mittagessen wieder ab.

Entspannung pur

Und da fing meine wirkliche Kur an. Endlich hatte ich Zeit für mich. Weit weg von all dem, was mir so große Sorgen bereitet. Es gab zwar immer noch zig Sachen, die angegangen werde mussten, sowohl für Tim als auch für Oskar, aber allein räumliche Distanz zu allem machte es mir möglich, es wirklich für die Zeit dort zu vergessen.

Jeden Morgen traf sich die komplette Truppe zum Nordic Walking am Deich. Naja, die ganze Truppe ist übertrieben, denn es wurden immer mehr krank. Viele wurden direkt nach dem Magen Darm Virus von einer Grippewelle heimgesucht. Am Ende der Kur waren höchstens die Hälfte der Familien noch anwesend, der Rest hatte früher abreisen müssen. Da kam uns wohl entgegen, dass 1. Oskar und Frederik beide geimpft sind und 2. wir uns durch Oskars Verhalten nachmittags eher alleine vergnügt haben statt uns anderen Familien anzuschließen.

Mir tat diesen frühmorgendliche ‚Walking‘ sehr, sehr gut. Eisig kalter Wind, Sonne, Blick auf die Nordsee, etwas Sport – himmlisch! Ich war sicher eine der wenigen dort, die es tatsächlich als Kur1Morgensport gesehen hat. Die meisten sind gemütlich spazieren gegangen und haben sich währenddessen unterhalten. Ich dagegen habe mir Stöpsel ins Ohr gesteckt, Musik angemacht – vorzugsweise Olly Murs 😉 und bin zügig eine Stunde vorausmarschiert. Was tat das gut! Der perfekte Start in den Tag!

Kur7 Abgesehen vom Walking hatte ich einige Termine beim Masseur – auch himmlisch –, Aqua Aerobic und Pilates, was mir auch alles gut tat. Das einzige, dem ich absolut nichts abgewinnen konnte war die Entspannungsrunde. Einfach ruhig liegen und den Fantasiegeschichten folgen, das ist einfach nichts für mich. Wenn ich ruhig liege und nichts tue, dann fangen meine Gedanken im Kopf wieder an zu kreisen, ich fange an über alles nachzudenken, was ich noch tun muss etc. Um wirklich zu Entspannen und den Kopf frei zu bekommen muss ich mich auspowern! Deswegen hat es mich auch ein wenig gewundert, dass ich die Massagen tatsächlich hab genießen können.

Die Nachmittage bin ich mit Oskar und Frederik spazieren gegangen. Meist einfach nur am Deich oder der Promenade entlang. Den beiden hat die Eiseskälte und der starke Wind auch überhaupt nichts ausgemacht. Sie spielten trotzdem, warm verpackt, fröhlich mit Bagger und Laster am Strand oder sogar im Schnee.

Frühstück und Abendessen im Essenssaal waren dennoch sehr stressig – für Oskar, und somit auch für mich. Es war ein großer Saal, und obwohl ich versucht habe immer schon da zu sein wenn nicht all zu viele Familien anwesend waren, war es trotzdem sehr laut und wuselig. Ich schaffte es kaum, Oskar zum Essen zu bekommen oder gar still am Tisch zu behalten. Stattdessen rannte er entweder den Saal auf und ab, oder er saß auf dem Stuhl, drehte sich aber alle paar Minuten um, zeigte auf andere Leute und beschimpfte sie, dass sie gefälligst ruhig sein sollen. Mit der Zeit lernte ich aber auch da, die Blicke anderer Leute zu ignorieren und mich einfach auf uns zu konzentrieren. Aber entspanntes Essen ist definitiv etwas anderes, so dass es kein Wunder ist, dass ich es in der Zeit in Cuxhaven tatsächlich geschafft habe ohne große Anstrengung einige Kilos abzunehmen. Alles kann von Vorteil sein! 😀

Kur8Fazit

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Wir hatten wirklich großes Glück, dass wir direkt am Anfang krank geworden sind. So hatten wir Zeit, uns in Ruhe einzugewöhnen. Und vor allem hatten wir so trotzdem noch zwei volle Wochen, in denen ich einfach nur abschalten und Abstand gewinnen konnte. Es war wie ein Leben in einer anderen Welt. Natürlich dachte ich viel an Tim und an Michael, aber ich wusste, dass es denen gut geht. Also habe ich mich tatsächlich einmal nur auf mich konzentrieren können und habe es geschafft alle anderen Dinge beiseite zu schieben. Ich hätte nie für möglich gehalten, wie gut mir diese Kur tun würde. In der Hoffnung, dieses Gefühl der Leichtigkeit, der Entspannung und des Glücks nicht zu schnell zu vergessen, habe ich mir extra Vorort eine Kaffeetasse und Müslischale gekauft, damit ich bei jedem Frühstück Zuhause mich ein wenig an diese Zeit zurückerinnern kann. Damit hoffentlich dieses wunderbare Gefühl nicht allzu schnell wieder im Alltagsstress verschwindet. Immer funktioniert das natürlich nicht. Aber ich denke auch heute, fast zwei Jahre nach der Kur, noch sehr glücklich und dankbar an die Zeit in Cuxhaven zurück und hoffe, dass wir es in 1-2 Jahren vielleicht noch einmal wiederholen können.

Habt ihr auch schon mal eine MuKiKu gemacht? Wie habt ihr sie erlebt?

 

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