Im letzten Beitrag hatte ich schon von richtigen Anprechpersonen geprochen, und davon, was für unseren Tim momentan das Richtige wäre.

Und zwangsweise wird damit dieser Beitrag irgendwie ein wenig politisch, obwohl ich mit Politik nun wirklich so rein gar nichts am Hut habe. Womit ich aber sehr wohl jede Menge am Hut habe ist, dafür zu sorgen, dass es unserem Tim – und damit auch unserer gesamten Familie! – endlich besser geht.

Sind dies Steine? Oder gar Felsen? Wir werden sehen…

Bereits in Alzey, kurz vor Tims Entlassung, hatte Michael einige Telefonate geführt. Die wichtigsten waren wohl die mit dem Jugendamt – um es über den Stand der Dinge zu informieren – und mit Tims Schule – um den Antrag auf Beschulung in einer Förderschule in die Wege zu leiten.

In Alzey selber hatte man uns schon gewarnt dass die Möglichkeit bestünde, dass man deren Empfehlung nicht gerne so nachkommen würde. Aber was das nun bedeuten könnte, darüber war ich mir nicht so im Klaren. Wie auch. Wir sind ja eigentlich noch Anfänger.

Leider traf es genau so ein. Ein wenig lag es sicher daran, dass ich auch die weiteren Telefonate Michael machen ließ. Michael ist es gewöhnt in einer toughen Businessumgebung Verhandlungen und Gespräche zu führen. Und Bauchpinselei und Feinfühligkeit war sowieso noch nie seine Stärke, weswegen auch ich in privaten Angelegenheiten Gespräche oder Emails, die eventuell schwierig sein könnten, in die Hand genommen hatte. Aber  nun war ich eben zu Hause, mit Baby und jetzt auch wieder Tim, und natürlich den anderen beiden plus Haus und Hund, und schaffte es einfach nicht.

So nahm mir also Michael diese Arbeit ab. Und natürlich ging Michael an diese Gespräche extrem emotionsgeladen dran, da er ja sah wie schlecht es Tim geht, wir – und einige andere offiziellen Stellen – uns einig waren was nötig wäe, und er dies auch so schnell wie möglich alles in die Wege leiten möchte. Worauf er stoß war aber ein extremer Widerstand! In erster Linie richtete sich dieser erste Widerstand zunächste gegen die Klinik, die vorschrieb was mit Tim im schulischen Sinne geschehen solle. (Natürlich waren es nur Empfehlungen der Klinik gewesen, aber so kam es anscheinend an). Aber dabei blieb es nicht.

So steht es geschrieben. So wird es gemacht. Punkt.

Unser viel größeres Problem ist nun aber, dass es laut Vorgehensweise so gehandhabt wird, dass ein schwieriger Fall gemeldet wird, und dieses Kind dann im schulischen Umfeld begutachtet wird um festzustellen, ob z.B. eine Förderschule notwendig ist. Ja, und da passen wir natürlich so überhaupt nicht ins Raster, denn Tim ist seit April nicht mehr in der Schule! Wie also soll eine solche Begutachtung stattfinden?!?

Und genau hier and diesem Punkt hätte ich die Verhandlungen übernehmen sollen. Denn was tat mein vor Sorgen und Emotionen platzender Mann? Er ließ die Damen klar wissen, dass er nicht verstünde warum sie Tim überhaupt noch begutachten müssten. Es gäbe doch reichlich Berichte anderer Leute die klar empfehlen und befürworten, dass Tim auf eine Förderschule mir Schwerpunkt soziale und emotionale Entwicklung gehen solle. Und es wurden auch noch einige Vergleiche gezogen, mit denen er eventuell nicht ganz unrecht hat, die man aber vielleicht eher im privaten Rahmen aussprechen würden 😀

Round Table mal anders

Vor ca einer Woche trafen sich dann alle Beteiligten und mehr in der Schule, um zu besprechen wie es denn nun weitergehen soll. Es gab außer uns einige klare Befürworter dafür, dass für Tim (und uns) momentan eine stationäre Förderschule das beste wäre. Des Weiteren gab es einige, die absolut nicht der Meinung schienen. Interresanterweise waren dies genau die, die unseren Tim noch überhaupt nicht kennen. Und dann gab es die, die sich eher bedeckt hielten. Über die eventuellen Ursachen dafür möchte ich mich nicht äußern.

Das Ergebnis war jedenfalls wirklich ernüchternd, wenn nicht erschreckend! Es wurde (nicht von uns!) ganz gezielt gefragt, ob es denn nicht möglich sei eine Begutachtung auf Aktenbasis zu schreiben; es wurden nur mitleidig wirkende Köpfe geschüttelt. Denn es steht nun mal geschrieben, dass man das Kind in einer schulischen Situation begutachten müsse. Auch der Vorschlag, Tim in der Klinikbeschulung – die ja demnächst ansteht – zu begutachten, wurde abgelehnt. Denn es steht geschrieben, dass das Kind in der Regelschule begutachtet werden muss. Ja, aber da ist Tim nunmal nicht! Auf meine Frage, dass Tim doch sicherlich nicht der erste Fall sei, der bereits nicht mehr in der Schule ist, und was denn da getan wurde, bekam ich leider überhaupt keine Antwort. Es wurde nur immer wieder betont, was für ein schlaues Kerlchen unser Sohn sei, und wie toll die eigentlichen Unterrichtsstunden doch meistens liefen, und dass doch eine Regelschule immer die besserer Option sei. Still und heimlich frage ich mich da dann aber, für wen dies denn die bessere Option wäre.

Das einzige was uns mit auf den Weg gegebn wurde war, dass wir offen auf diesen zweiten Klinikbesuch gehen sollten. Und dann würden wir weiter sehen. Aber was  bedeudet das konkret??? Auf ein Wunder hoffen? Natürlich erhoffen wir uns etwas von einem weiteren Klinikaufenthalt. Sonst würden wir diesen ja auch nicht anstreben. Aber, egal ob man dort vielleicht besser geeignete verhaltenstherapeutische Ansätze oder auch Medikamente findet, sind wir davon überzeugt, dass momentan für Tim nur eine Förderschule in Frage kommt. Alles andere würde ihn überfordern. Und es ist ja nicht das erste Mal, dass diese Überlegungen angesprochen wurden. Verschiedene Seiten haben dies bereits mehrfach in den letzten 2 Jahren vermerkt. Auch die Schule hatte in schwierigen Phasen mir gesagt, es sei so nicht mehr kange tragbar. Doch an diese schwierigen Phasen erinnerte man sich anscheinend nicht mehr. Von den anwesenden Personen, die sich entweder bedeckt hielten oder eine weitere Inklusion befürworteten, hiess es immer nur, dass es ja erst seit April so schwierig sei. Dass man also nur jetzt akut etwas machen müsse, und dann geht es fröhlich weiter.

Ich könnte mir selber in den Hintern beißen, dass ich nicht sämtliche Anrufe irgendwie schriftlich festhalten habe, an denen ich entweder von der Schule oder aber von seinem Integrationsteam angerufen wurde. Ja, das zweite Schuljahr lief in den Schulstunden selber wesentlich besser als das 1. Schuljahr. Aber ich war immer auf Abruf. Es konnte immer sein, dass ich den Anruf bekam, dass ich bitte sofort mein Kind holen möge. Für wen soll so ein Zustand denn bitte gut sein? Für mich natürlich sowieso nicht. Aber denn für Tim?

Ist Inklusion immer förderlich?

Ich bin 100%ig davon überzeugt, dass die Schulstunden selber zunehmend besser geklappt haben, weil Tim diesen unheimlichen Willen hat zu gefallen und gleich den anderen zu sein. Er setzt sich seine eigene Messlatte enorm hoch, was nicht immer von Vorteil ist. In den Schulstunden hat sich Tim so dermaßen angestrengt und zusammengerissen, da bleibt für die – für ihn ja viel schwierigeren – sozialen Situation einfach keine Kraft mehr. Und wenn dann auch noch Dinge dazu kommen, die ihn zusätzlich aus der Bahn werfen, wie kürzlich Umzug, Geburt der Schwester und geplanter Schulwechsel, dann ist einfach null Kraft mehr vorhanden. Ich kann das so sehr nachampfinden. Warum also ist es denn etwas Negatives, Tim in einem schulischen Umfeld zu haben, in dem er sich in den Stunden selber gar nicht erst so dermaßsen anstrengen muss?? Nicht, weil keine kognitiven Anforderungen gestellt werden, sondern weil eben das Umfeld viel besser für ihn ist. Klassen mit weniger als 10 Kindern, speziell angepasste Tagesabläufe, besonders ausgebildete Pädagogen…all das würde Tim eine Menge Stress und Anstrengung ersparen, und im Kraft egebn, sich in anderen Bereichen zu verbessern.

Doch um zu erreichen, was nicht nur wir für das beste für Tim halten, scheinen wir diesmal wohl doch erheblich kämpfen zu müssen. Denn dass wir unser Kind nicht für eine Begutachtung in die Schule schicken werden steht fest. An erster Stelle muss doch das Wohl des Kindes stehen, oder nicht?! Und nicht irgendwelche Richtlinien! Wie bitte ist Tim damit gedient, wenn er ein paar Tage in die Schule geht, damit ihn diese nette Dame begutachten kann? So wie ich unseren Großen kenne würde er es als seine letzte Chance sehen, um zur Schule gehen zu dürfen (ganz egal was wir sagen). Und entweder wird er dann ein paar sooo tolle Tage haben, dass es definitiv keine Förderschulempfehlung geben wird, oder aber er explodiert und wird wieder nach Hause zurück kehren mit dem Gefühl gescheitert zu sein. Und beides darf doch nicht im Sinne von Tim sein? Wir wollen nicht, dass er es schafft ein paar gute Tage zu haben. Wir wollen es errichen, dass er es ohne große Anstrengung schafft überwiegend gute Tage zu haben! Und wir wollen definitiv nicht, dass er erneut das Gefühl des Scheiterns bekommt!

Das Wohl des Kindes

Momentan haben wir absolut kein glückliches Kind. Tim wächst in einer liebenden, glücklichen Familie auf. Und er hat sicherlich auch seine zufriedenen Momente, und (ich hoffe) er weiss und fühlt wie sehr wir ihn lieben. Aber seine Antwort auf Oskar’s ‘ich will alles sein was Du bist, Tim!’ war ‘Du willst also auch tot sein wenn ich tot sein will?!’  Mein behutsames Nachfragen zu verschiedenen Zeitpunkten ergab, dass unser 8-jähriger Sohn tatsächlich regelmäßig wünschte er sei tot! Bums. Wie fühlt man sich da als Mutter. Als Eltern. Und für mich zeigt es nur wieder das, was ich schon immer gesagt habe. Tim möchte so gerne sein wie andere. Tim verabscheut sich selber dafür, wie er mit denen die er gerne hat umgeht.  Aber er spürt selber, dass er es einfach nicht schafft. Und zudem hat er immer wieder dieses wahnsinnige Gefühl, ungerecht behandelt zu werden. Warum soll er denn bitte Rüge bekommen, wenn er Oskar vehement verbietet sein Zimmer zu verlassen, da er – Tim – nicht allein spielen möchte und Oskar deswegen bleiben muss. Warum kann er nicht immer bestimmen wer was wie, ann und wo macht? Oder warum der Tagesablauf eben so abläuft wie wir Eltern es planen, und nicht wie er. Oder warum er zur Zeit nicht zur Schule gehen kann, obwohl doch gar keine Ferien sind. Zur Zeit macht überhaupt gar nichts für ihn Sinn.

A Fight Worth Fighting

Wir sind bereit zu kämpfen. Wir werden auch kämpfen. Das steht natürlich fest. Wir müssen und werden dafür sorgen, dass Tim in einem Umfeld sein kann das es ihm ermöglicht sowohl schulisch gefördert und gefordert zu werden, ohne ihn zu überfordern, aber auch um ihn geziehlt emotional und sozial zu fördern. Denn unser langfristiges Ziel ist es natürlich, dass Tim ein komplett integrierrtes und vor allem glückliches Leben führen kann. Aber akut steht das glückliche Leben vor dem integriertes Leben.

Pin It on Pinterest

Share This