valentin

Lieber Tim,

Du bist als allererster unserer vier Wunschkinder auf die Welt gekommen. Was haben Dein Papa und ich uns gefreut, als wir Dich nach 9 langen Monaten endlich im Arm halten durften!

Ich wusste schon immer, dass ich später einmal Kinder haben möchte. Aber Du hast uns nun gezeigt warum. Ich hoffe Du wirst auch einmal selber erfahren dürfen, wie unglaublich sich die Liebe für die eigenen Kinder anfühlt.

Schon als Baby hast du so gerne gelacht, bist offen auf andere zugegangen und hast Menschen direkt in dein Herz gelassen. Man konnte dich für fast alles begeistern, du interessierst dich für alles und hast dir so ganz schnell ein enormes Allgemeinwissen angeeignet.

Je älter du wurdest, umso schwieriger wurde das Leben für dich. Eigentlich wolltest du immer nur Freundschaften schließen, mit anderen Kindern spielen, Spaß haben und ‚einer von den anderen‘ sein. Doch leider hat es nie so recht klappen wollen.

Mit Schulanfang hast du dann wieder ganz deutlich gezeigt, was für ein Wille in dir steckt, andere stolz zu machen. Wir sind sowieso stolz auf dich, aber diesen unheimlichen Willen in dir zu sehen ist einfach nur rührend. Dieser Wille war auch immerhin so enorm stark, dass du es in den Schulstunden selber immer besser auch ohne Unterstützung geschafft hast, gut am Unterricht teilzunehmen. Und deine gesamte Klasse hat begriffen was für ein toller Kerl du doch bist. Nun hast du dich im Unterricht aber so sehr anstrengen müssen, so dass am Ende einfach keine Energie mehr übrig war, um am sozialen Teil der Schule teilzunehmen. Dabei möchtest du doch so gerne einfach nur so sein wie alle anderen. Es tut mir so leid, mein lieber Tim!

Lieber Tim,

seit fast 5 Monaten kannst du nun nicht mehr zur Schule gehen. Und wie tapfer du doch bist. Ich habe wirklich noch nie einen anderen 8-jährigen Jungen kennen gelernt, der so erwachsen mit der Situation umgeht. Tapfer und geduldig hast du den ersten Klinikaufenthalt abgewartet und auch überstanden. Dass dies für dich so ein Misserfolg war, das zerbricht uns das Herz, und wir fühlen uns auch mitschuldig. ‚Hindsight is a wonderful thing‘ sagt man so schön. Im Nachhinein hätten wir dich in diese Klinik nie schicken dürfen. Und so bist du wieder nach Hause gekommen mit dem Gefühl gescheitert zu sein.

Tapfer wie immer, mit dem großen Wunsch, wirklich etwas ändern zu wollen, bist du mit uns also zu neuen Terminen mitgekommen. Dieses eigene, riesige Bedürfnis etwas an deiner Situation zu ändern, und an deinen Schwierigkeiten im Miteinander mit anderen Menschen, das verdutzt wirklich viele Ärzte, Therapeuten und Außenstehende. Alle fühlen sie mit dir, möchten dir gerne helfen.

Und so hast du wieder tapfer ausgeharrt, bis du in der nächsten Klinik aufgenommen werden konntest. Als wir dir sagten, dass es in einigen Tagen wieder – und diesmal alleine – in die Klinik geht, hast du nicht geweint. Dabei hätte ich es total verstanden! Nein, du sagtest ganz ruhig, du habest Angst aber freust dich auch ein wenig. Denn du hoffst, dass es danach dann endlich besser wird! Ach Timmy, was hoffen wir dasselbe für dich! Du hast es so sehr verdient!

Du hast deine Taschen selber gepackt, hast alles bereitgestellt und bist mit uns zum Aufnahmegespräch gefahren. In deinem Zimmer angekommen kamst du direkt mit deinen Bettnachbarn ins Gespräch, fingst an mit ihnen Lego zu spielen, und hast dich ganz ruhig und entspannt von uns verabschiedet. Was bist du doch für ein großer Kerl. Und wie groß muss dein Vertrauen in uns sein!!! Du musst dir so sicher sein, dass wir nur das allerbeste für dich wollen, und dass der Weg dahin schwierig aber notwendig ist.

Immer mal wieder erzählst du, dass du Heimweh hast, aber genauso erzählst du auch von Erfolgserlebnissen. Du wünscht dir sehr, dass ich dich auch unter der Woche besuchen kommen könnte, nimmst es aber so verständnisvoll entgegen, dass ich es mit der Entfernung einfach nicht schaffe. Und so lebst du tapfer deinen Alltag in der Klinik, gibst dir unheimliche Mühe bei allem, und freust dich, wenn dein Papa dich dann freitags zum Wochenende abholt.

Lieber Tim,

noch wissen wir nicht, wie genau dein und unser Weg aussehen wird. Unser einziger Wunsch ist, mein lieber Tim, dass du ein glückliches Leben führst! Du selber steckst dir immer enorm hohe Ziele. Studieren willst du unbedingt – wie Mama und Papa eben, heiraten willst du, Kinder haben. Und als Beruf? Genau das, was der Papa macht. Aber wir finden wirklich, dass es am allerwichtigsten ist, dass du mit dir selber und deiner Umwelt zufrieden bist.Und wir werden alles dafür tun, damit du das erreichen wirst.

Mein lieber Tim,

ich hoffe, dass dein tiefes Vertrauen in uns, deine Eltern, nie geringer wird. Dass du immer weißt und spürst, wie sehr wir, und deine drei Geschwister dich lieben, und dass wir immer bedingungslos hinter dir stehen und dich unterstützen werden. Wir sind unglaublich stolz auf dich, was du schon erreicht hast, was du erreichen möchtest, und was du bereit bist, dafür zu tun. Wir sind stolz, deine Eltern sein zu dürfen.

In aller Liebe,

Deine dich unendlich liebende Mummy

Pin It on Pinterest

Share This