Der letzte Teil der Ferien

Tim phone booth

 

London und die Heimreise

Tim portrait big busTim hatte sich wieder selber aussuchen dürfen, wie wir unsere letzten beiden Tage verbringen würden. In London angekommen – die Zugfahrt wieder mit dem iPad Tim Bus Big Benüberbrückt – suchten wir uns zunächst unser Hotel, das günstig zwischen Flughafen und Innenstadt gelegen war. Tim war begeistert, denn für ihn war es wahrer Luxus. Ein großes Bett nur für sich, ein eigenes Badezimmer und sogar ein Fernseher im Zimmer. Hier konnten wir tatsächlich unser Zimmer nutzen um ein wenig zwischendurch entspannen zu können. Und danach fuhren wir wieder in die Stadt und bestiegen den London Big Bus, mit dem Tim unbedingt London erkunden wollte. Etwa 2 Stunden haben wir also eine Stadtrundfahrt mit einem Tour Guide gemacht, und ich war immer wieder begeistert zu sehen, dass Tim wirklich alles verstand. Sogar Witze, was ja wirklich nicht selbstverständlich ist. Für Tim war es am Spannendsten, die ihm bekannten Gebäude einmal live zu sehen. Besondere Bedeutung hatte für ihn Westminster Palace, oder Houses of Parliament, da wir davon in unserem Wohnzimmer ein großes Bild hängen haben. Aber auch einmal über die Tower Bridge fahren zu können war für ihn ein tolles Erlebnis.

Tim Bucks Palace

Am nächsten Tag haben wir dann noch eine Bootstour die Themse runter vom Westminster Palace bis zum Tower of London gemacht, und sind dann dort Tim Boot HoPentlangspaziert. Am Nachmittag haben wir uns mit einer altern Schulfreundin getroffen und sind dann zum Buckingham PalaceTim Tower Bridge gelaufen. Eigentlich hatten wir geplant, die öffentlichen Räume des Buckingham Palace zu besichtigen, aber Tim war schon so erschöpft dass ich entschieden habe ihm ein leckeres Eis zu gönnen und dann langsam zum Hotel zurück zu fahren. Tim begann auch, sich schon sehr auf den Rückflug, auf seinen Papa und seine Geschwister zu freuen. Er war so gut drauf, dass er sich wie ein echter Gentleman verhielt und darauf bestanden hat die Einkaufstüten mit unserem Abendessen ganz alleine zum Hotel zu tragen. Denn ich bin ja schwanger und soll nicht schwer heben 🙂

Der Abend und auch der nächste Morgen verliefen entspannt und wir machten uns auf den Weg zum Flughafen. Auch hier war ich wieder ganz stolz auf unseren Großen. Denn in Heathrow war alles nicht ganz so gut organisiert wie bei unserem Hinflug in Frankfurt. Statt keinen 5 Minuten standen wir hier über einen Stunde in der Warteschlange zum Einchecken, bis schließlich schon unser Flug aufgerufen wurde und wir uns ‘vordrängeln’ mussten. Tim musste also sehr lange stehen und dazu auch noch sehr geduldig sein. Als wir dann endlich eingecheckt waren, mussten wir dann auch noch direkt und zügig zum Gate laufen. Alles nicht selbstverständlich, dass Tim dies problemlos mitmacht. Aber ich glaube die Vorfreude auf ein Wiedersehen in Frankfurt verlieh ihm Superkräfte.

Natürlich waren auch in den letzten Tagen seine Tics sehr stark ausgeprägt. Häufig fielen wir extrem auf, was mir doch leider immer wieder sehr unangenehm war. Ich schämte mich, dass ich mich manchmal tatsächlich für mein eigenes Kind schämte. Aber letztlich bin auch ich nur menschlich.

Tim Lego Queen

Das Wiedersehen

Nach einem, dank Audio Bespaßung und Zeitschrift, unspektakulärem Flug kamen wir in Frankfurt an, wo wir von Michael, Oskar und Frederik begeistert empfangen wurden. Ich liebe es immer wieder zu beobachten, wie sehr sich unsere Jungs, trotz vieler Schwierigkeiten, lieben. Und so lagen sich erst die Jungs in den Armen, und dann kamen auch mir zwei Zwerge auf den Arm gehüpft. Es war schön wieder mit allen vereint zu sein, und so machten wir uns auf den Weg zum Auto.

Auf der einstündigen Rückfahrt verfiel Tim wieder ganz schnell in alte Verhaltensmuster, provozierte sowohl verbal als auch körperlich. Autofahrten, egal wie kurz, sind immer sehr nervenaufreibend. Ich denke dass es mit daran liegt, dass Tim einfach körperliche Nähe sehr schwer aushalten kann. Dabei haben wir schon ein recht geräumiges Auto, in dem jedes Kind einen vollwertigen Sitz hat. Autofahrten bei uns sind so stressig, dass wir beschlossen hatten, dass das nächste Auto definitiv zwei hintere Sitzreihen haben muss, damit Tim dort räumlich getrennt werden kann. Nun erwarten wir im Januar ja eh noch einmal Nachwuchs, so dass der Autowechsel – zum Glück – früher stattfinden wird als es wahrscheinlich sonst der Fall gewesen wäre.

Was wirklich erstaunlich war ist, dass praktisch mit der Ankunft in Deutschland seine Tics fast wie weggeblasen waren. Der ein oder andere war noch da, aber alles im absolut erträglichem Rahmen. Dies machte mich sehr nachdenklich! Denn es war ja dadurch offensichtlich, dass Tim diese Tics benutzt um Stress abzubauen. Vor den Ferien war es wahrscheinlich – trotz guter Vorbereitung – Nervösität und Unsicherheit, was genau auf ihn zukommen wird. In England selber war es dann die neue Situation, neue Leute, sich ständig zusammen reißen müssen und so weiter. Muss ICH also lernen, diese Tics zu ignorieren, statt zu versuchen sie Tim auszutreiben? Bin Ich es, die das Problem hat, und nicht mein Sohn? Ich weiß es wirklich nicht genau. Denn ich möchte ja für Tim, dass es nicht ständig auffällt. Und ich selber möchte noch weniger auffallen. Aber ist es nicht unheimlich unfair wenn ich immer wieder die Geduld verliere, Tim zurechtweise etc, wenn er doch nur einen Weg gefunden hat wie er mit Angst, Unsicherheit und Stress umgeht?

Feriencamp

SuperfreundeZwei Wochen galt es noch zu überbrücken bis für Tim die Schule wieder anfangen würde. In diesen zwei Wochen war außerdem der Kindergarten geschlossen, so dass ich alle drei Kinder zuhause hatte während sich Michael wieder bei der Arbeit erholen durfte. Eingeleitet wurden diese zwei Wochen allerdings damit, dass ich Tim für vier Tage zum Feriencamp des Vereins brachte, bei dem Tim auch sonst jeden Freitag die Soziale Gruppe besucht.

Ich hatte im ersten Teil meines Sommer Specials geschrieben, dass zu dem Wechselbad der Gefühl auch viel Scham und Schuldgefühle, aber auch Glück dabei waren. In diesen vier Tagen waren diese Gefühl ganz stark ausgeprägt. Warum? Weil ich es wahnsinnig genoss, Zeit mit Oskar und Frederik zu haben. Und vor allem, weil ich es genoss, dass Tim eben nicht dabei war. Immer wieder schlich sich der Gedanke in meinen Kopf „So also würde unser Leben aussehen, wenn wir Timmy nicht hätten“. Nur um gleich im Anschluss von Scham und Schuldgefühlen gepackt zu werden, so etwas auch nur zu denken!

Oskar hat zwar auch Autismus, doch ist er im Miteinander einfach so viel pflegeleichter. Was noch viel wichtiger ist, Oskar und Frederik sind wirklich allerbeste Freunde. Sie sind in ihrer Entwicklung fast auf dem gleichen Stand, und Frederik bringt seinem großen Bruder ganz nebenbei bei, wie man Fantasiespiele mit Lego, spaziergangFisher Price oder Verkleidung spielt, verbessert genauso nebenbei Oskars Grammatik etc. Natürlich zanken auch die beiden, aber insgesamt ist es eine Wonne die beiden zu beobachten.

In diesen vier Tagen konnte ich plötzlich ganz normale, für andere Mütter selbstverständliche, Dinge machen. Ich machte Erledigungen in der Stadt, traf mich mit Bekannten, und konnte generell einfach die Zeit mit den beiden genießen. Ich dachte natürlich auch viel an Tim, wusste ihn aber gut aufgehoben, so dass sich nur hin und wieder die besagten Schuldgefühle und das schlechte Gewissen, die Zeit ohne ihn ZU sehr zu genießen, einschlichen.
Insgesamt verlief der Rest der Ferien relativ entspannt, was aber auch daran lag, dass meine Schwiegermutter für einige Tage zu Besuch kam, so dass ich nicht ganz alleine mit den dreien war.

 

Reflektion

Ich sah trotzdem voller Vorfreude dem Anfang des Schuljahres entgegen, war Stolz dass ich die langen Schulferien insgesamt verhältnismäßig gut überlebt hatte und beschloss aber, dass sich für die kommenden Sommerferien dringend etwas ändern muss! Denn sechs Wochen Tim zuhause zu haben ist weder für ihn noch für mich eine Lösung.

Am Wünschenswertesten wäre es, wenn es vor Ort Angebote gäbe, zu denen Tim hingehen könnte. Entweder welche, bei denen von vornherein der Betreuungsschlüssel bewusst so hoch ist, dass jemand wie Tim ohne Probleme mit aufgenommen werden kann. Oder aber, dass von irgendeiner Seite auch in den Ferien eine gewisse Stundenzahl für einen Integrationshelfer übernommen würde, der Tim dann zu solchen Angeboten begleiten könnte.

Ansonsten müssen wir ernsthaft überlegen, ob Tim nicht 1-2 Wochen auf eine Ferienfreizeit fahren soll. Natürlich eine, die auf Kinder wie ihn ausgelegt sind. Doch auch da habe ich sehr gemischte Gefühle. Ich denke an mich, und dass ich einfach auch etwas Abstand brauche. Aber gleichzeitig denke ich daran, dass mein Tim ja immer noch ziemlich jung ist, und vor allem eine sehr starke Verbundenheit zu seiner Familie fühlt. Würde er damit klar kommen, 1-2 Wochen ganz alleine mit fremden Kindern und Erwachsenen wegzufahren? Ich bin mir unsicher. Fest steht aber: eine Lösung muss her!

Charlie

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