unser letzter gemeinsamer Ausflug

Das lange Warten

Über ein Monat ist nun vergangen seitdem wir uns für eine bestimmte Klinik für Tim entschieden hatten. Wie schon im letzten Beitrag vermutet, hat sich für mich/uns auch durch das Gespräch mit Schule und Jugendamt nicht wirklich etwas verändert. Für die Zeit nach der Klinik soll nun bis Anfang der Sommerferien Hausunterricht beantragt werden. Und was Unterstützung für mich Zuhause angeht war die Aussage des Jugendamtes klar: Sie haben es jetzt so lange alleine geschafft, Frau Ubben, da schaffen Sie auch noch die letzten 10 Tage.

Ich habe tatsächlich darauf angefangen zu lachen! Aber was hätte ich auch anderes tun können, denn geändert hätte es eh nichts. Michael meinte danach, dass er glaube dieser Satz hatte mir Mut machen sollen. Aber so kam es definitiv nicht bei mir an. Und auf den Missmut der Schule, ich hätte mich nicht oft genug gemeldet, konnte ich immer nur wieder darauf verweisen, dass ich seit über einem Monat Tim Zuhause habe, ohne Unterstützung, und dass ich mit den Kräften am Ende bin. Ja, ich habe es geschafft, meine Kinder weiterhin zu versorgen. Aber jede Menge Dinge, die hätten erledigt werden müssen, sind liegen geblieben. Statt sich zu beschweren man habe nicht häufug genug etwas von mir gehört, warum hat man denn nicht einfach mich kontaktiert?!?

Aller Anfang…

Nun gut, ich möchte nicht nachtragend sein. Die letzten 10 Tage habe ich natürlich auch noch irgendwie geschafft, und seit Freitag ist Tim nun, gemeinsam mit seinem Papa,  in einer Klinik. Am Mittwoch Abend erst haben wir Tim angefangen auf den bevorstehen Klinikaufenthalt vorzubereiten. Es lief besser als erwartet! Natürlich meinte er, er würde uns anderen sehr vermissen, aber insgesamt schien er sehr erleichtert zu sein, dass nun endlich etwas passierte!

Am nächsten Tag half er mir beim Packen – lediglich erschwert dadurch, dass ich nun alle Kinder Zuhause hatte, da der Kindergarten aufgrund des Streiks für die nächsten 10 Tage mindestens geschlossen sein würde – und war wirklich überwiegend positiv dem Bevorstehenden eingestellt.

Für Freitag Vormittag habe ich durch viel Betteln erreichen können, dass Oskar und Frederik in die Notgruppe des Kindergartens gehen durften, so dass ich mit zum Aufnahmegespräch fahren konnte. Darüber bin ich sehr dankbar, denn so konnte ich nun auch den behandelnden Oberarzt kennen lernen. Tim war zwar ruhig und reserviert, aber absolut kooperativ. Er hat alle Fragen des Arztes toll und ehrlich beantwortet. Und der Arzt wiederum hatte einen ganz tollen Umgang mit Tim, um ihm Ängste zu nehmen und ihm alles Genau zu erklären. Was ich selber aus dem Gespräch mit nach Hause nahm war, dass 1. Tim dort wirklich gut aufgehoben ist, und 2. unser Tim selber wirklich so gerne etwas ändern möchte an der Situation.

Wir hatten ihn sehr ehrlich und ausführlich auf die Klinik vorbereitet. Nicht nur warum er dort hingeht, sondern auch was ihn dort erwarten würde. Das hat sicher geholfen, aber erstaunt hat mich mal wieder Tims Wille. Sein Wille, selber etwas zu ändern und zu lernen sich so zu verhalten dass er in und mit seiner Umwelt besser zurecht kommt.  Auf die Frage des Arztes, warum er denn dort in der Klinik sein sagte er ‘Damit ich lerne mich Zuhause und in der Schule nicht mehr so doll aufzuregen‘. Das ist natürlich nur ein Teil worum es geht, aber es ist, das, was ihm selber am wichtigsten ist.

Ich bin nach dem Aufnahmegespräch jedenfalls erschöpft aber in erster Linie erleichtert nach Hause gefahren. Nein, eigentlich ist das untertrieben. In Wirklichkeit habe ich mich so gefühlt als ob 1000kg von meinen Schultern gefallen und mir die Fußfesseln abgenommen worden waren! Endlich können wir wieder nach vorne blicken! Es ist natürlich noch ein lamger Weg, aber wir  – und Tim!!!- sind nicht mehr alleine.

Frederik und Oskar haben zunächst recht schwierig auf die neue Situation reagiert. Doch dann, im Laufe des Nachmittags, fingen sie sich und begannen wieder, ganz toll miteinander zu spielen. Dies wiederum hat mich unglaublich glücklich gemacht, denn die letzten Wochen hat Frederik überwiegend alleine spielem müssen, da Oskar – Tim kopierend – nur noch Nintendo etc spielen wollte und Frederik gegenüber sehr gemein war. Seit Freitag aber hat Oskar seinen Nintendo kein einziges Mal in der Hand gehabt!

Die ersten drei Tage

Tim hat sich bisher als Musterpatient gezeigt. Er ist dem Personal gegenüber höflich, hilfsbereit, kooperativ und zeigt allen ganz deutlich, dass er will. Anderen Kindern gegenüber ist er reserviert aber freundlich. Natürlich sind seine Probleme im Miteinander trotzdem zu erkennen, aber die Grundvoraussetzungen, dass dieser Klinikaufenthalt ein Erfolg werden kann, sind doch eigentlich sehr gut. Die Tatsache, dass sein Papa ihn dort in die Klinik begleitet, gibt Tim natürlich auch Sicherheit und Gewissheit, dass wir diesen Weg mit ihm gehen, und er nicht abgeschoben wird.

Tims Zimmer

Richtig los geht es erst Morgen. Da hat er seine ersten Schulstunden (auf die er sich sehr zu freuen scheint), und auch Untersuchungen einiger Ärzte und Psychologen und Therapeuten stehen an. Wöchentlich sind auch Elterngespräche geplant, in denen uns dann ausfürlich berichtet wird wie die Woche und Untersuchungen gelaufen sind. Darauf bin ich sehr gespannt und hoffe nur, dass ich für Oskar und Frederik Betreuung organisieren kann, da ja nun mal der Kindergarten streikt.

Heute Vormittag sind wir vier zu Tim und Michael in die Klinik gefahren. Wir wurden schon in der Auffahrt erwartet, und Frederiks Worte waren Jetzt bin ich wieder glücklich!, was ja aber auch zeigt, wie er sich momentan Zuhause fühlt. Es fehlt eben ‘was’. Frederik hat mit Tim im Alltag zwar weniger zu tun als Oskar, der ihn regelrecht anhimmelt, aber vermissen tut er ihn – und vor allem seinen Papa – natürlich sehr.

Alle haben sich gefreut, sich wieder zu sehen. Und ich war erleichtert zu sehen, dass Tim angekommen und nach wie vor positiv eingestellt ist.

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Wir stehen noch absolut am Anfang, es wir auch sicherlich nicht so einfach bleiben, aber der positive Anfang ist doch so wichtig. Mal schauen wir lange Michael noch bei Tim bleiben wird. Die Aussage des Arztes war klar – das Ziel ist, dass Tim dort alleine bleibt. Und ich sehe auch, dass das Ärzte-und Therapeutenteam sicher intensiver mit Tim arbeiten kann, wenn er eben nicht seinen Papa die ganze Zeit dabei hat. Da der Großteil der Schulkinder dort aber auch ohne Eltern sind glaube ich aber, dass sich Tim darauf einlassen wird. Ich werde auf alle Fälle weiter berichten.

Abschließend kann ich nur sagen, dass ich unglaublich stolz auf unseren Großen bin! Er ist so tapfer und macht alles so toll mit! Und genauso bin ich aber auch unglaublich stolz auf und dankbar an Michael, dass er sich mit Tim hat aufnehmen lassen. Denn dass die ersten Tage so entspannt verlaufen würden, nein, damit hatten wir sicherlich nicht gerechnet!

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