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Jetzt sind doch glatt fast 5 Monate vergangen seitdem ich den ersten Teil über Oskar geschrieben hatte. Und immer kam irgendetwas dazwischen, weswegen ich nicht weitergeschrieben habe. Nun ist ein wenig der rote Faden verloren gegangen, aber ich werde mein Bestes tun so weiterzumachen wie ich im Mai aufgehört hatte.

Während des Schreibens ist mir wieder bewusst geworden, wie viele Auffälligkeiten es bei Oskar im Kleinkindalter gab. Aus dem Grund werde ich auch diesen Post wieder aufteilen müssen. Viele dieser Auffälligkeiten haben sich inzwischen wirklich stark verbessert.

Eine Sache, die übrigens auf sowohl Tim als auch Oskar zurtrifft ist, dass sie die perfekten Beispiele sind um zu zeigen, dass man nicht total emotionslos sein muss, nur weil man Autismus hat. Ein Vorurteil, den ich doch all zu häufig gesagt bekomme. Ich glaube es gibt kaum eine Mutter, die so mit Liebe und Liebeserklärungen überhäuft wird, wie ich es werde! Oft ist es ein ganz beiläufiges “I love you, mummy” (meist von Tim, der die körperliche Nähe nicht so sucht). Oskar ist aber tatsächlich ein richtiger Schmusekater. Er kommt zu mir, knuddelt mich, streichelt mich auf eine Weise wie ich ihn auch streicheln würde, sagt mir dass er mich liebt, dass ich die schönste Mama bin. Seine Liebeserklärungen klingen dann in etwa so: “Ich liebe Dich Mummy. Du bist schön. Und deine Haare sind auch schön. Und dein Gesicht ist auch schön. Und deine Arme und deine Beine auch” 🙂

Der Umzug nach Kaiserslautern

Nach dem Umzug nach Kaiserslautern wurde es nicht nur schwieriger für und mit Tim (siehe Blogeintrag Tim ), sondern auch Oskar stellte uns auf eine harte Probe.

Es fing an damit, dass Oskar uns offensichtlich wissen lassen wollte, dass er diesen Umzug, dieses Herausreißen aus seinem gewohnten Umfeld, alles andere als toll fand. Er war nun 2,5 Jahre alt, sprach zwar einige Wörter, konnte sich aber nicht annähernd damit verständigen. Und so schrie er einfach unglaublich viel. Nicht nur extremes Trotzverhalten, sondern er folgte uns überall hin, blieb stehen und fing an laut zu schreien. Man konnte sehen dass es ihm überhaupt nicht gut ging. Er war verzweifelt und verwirrt.

Übergänge

Außerdem fingen nun auch Oskars Schwierigkeiten damit an, von einer Sache zur nächste zu wechseln. Übergänge jeglicher Art wurden zur Herausforderung. Sollte es in die Badewanne gehen, wurde geschrien, getreten, gebissen. War er erst einmal drin, genoss er das warme Wasser und war ruhig. Doch sollte es dann wieder aus der Wanne raus, ging das Geschrei, Getrete und Gebeiße von vorne los. Man bekam ihn nicht aus der Badewanne heraus, ohne dass er sich dabei selbst durch sein Abwehrverhalten verletzt hätte. So mussten wir den Stöpsel entfernen und ihn schreiend in der sich leerenden Wanne stehen lassen. Irgendwann war ihm dann so kalt, dass er sich doch herausheben und anziehen ließ.

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Oder wenn es aus dem Garten wieder ins Haus ging. Wir wussten ja nun schon durch Tim, dass alles gut angekündigt werden muss. Bei Tim haben wir ganz viel den TimeTimer eingesetzt, der ihm dabei geholfen hat visuell zu sehen, wieviel Zeit ihm noch verbleibt bis die angekündigte Veränderung eintreten wird. Bei Oskar hat dies leider überhaupt keinen Unterschied gemacht. Freiwillig kam er gar nicht ins Haus. Mit Worten drang man überhaupt nicht zu ihm durch, egal was man ihm Tolles in Aussicht stellte. Es blieb uns schließlich nichts anderes übrig als uns Oskar zu schnappen (zum Glück war er immer ein kleines Fliegengewicht), ihn reinzutragen und die Terrassentür zu schließen. Dann jedoch stand Oskar kreischend vor dieser Terrassentür und ließ sich keinen Millimeter davon wegbewegen. Er wollte unbedingt wieder genau dahin wo er gerade gewesen war. Brachte man ihn ins Badezimmer und wusch ihm die Hände (unter Geschreie natürlich), entwand er sich anschließend nur wieder, lief zur Terrassentür zurück und setzte sein erbärmliches Geschrei fort. Da ich in der Zeit ja noch ganz alleine mit den Jungs zuhause war, blieb mir nichts anderes übrig als Oskar zu ignorieren und mich um die anderen beiden zu kümmern. Meist, wenn wir schon fast mit dem Essen fertig waren, schlich sich Oskar zu uns in die Küche, setzte sich hin als ob nichts gewesen wäre, und aß.

Irgendwann, viel später, als Oskar sicher schon 3,5-4 Jahre alt war, habe ich zufällig gelesen, dass man manchmal in solchen Situationen durch Handpuppen zu den Kindern durchdringen kann. Das habe ich natürlich direkt ausprobiert, und – siehe da – es hat tatsächlich funktioniert. Stand Oskar wieder kreischend an der Terrassentür, sprach die Handpuppe mit ihm, nicht ich,  und schaffte es relativ zügig, ihn aus seiner Verweigerung, seinem Anfall herauszuholen. Die Handpuppe schafft es irgendwie ihn abzulenken und auf andere Gedanken zu bringen, was ich als Mama nicht schaffte. Es war wirklich erstaunlich zu sehen. Wie bei Tim uns der TimeTimer überall hin begleitet hatte, so kam nun für Oskar die Handpuppe mit, nur für den Fall dass er wieder mit Übergängen zu kämpfen hat.

 

Erde an Oskar

Was außerdem auch mit etwa 2,5 Jahre anfing, war, dass Oskar sich immer wieder richtig ‚wegbeamte‘. Oft war es in Situationen, in denen etwas von ihm verlangt wurde, oft aber auch, wenn er CIMG3066einfach insgesamt mit einer Situation überfordert war. Oft aber auch einfach so. Er war dann wie weg, seine Augen auf unendlich gestellt, und nicht ansprechbar. Beim Essen hörte er dann plötzlich komplett auf zu essen, fing an nur noch mit den Händen im Essen rumzumanschen und träumte vor sich hin. Beim Spazierengehen blieb er plötzlich einfach stehen. Wenn eine Anforderung an ihn gestellt wurde, er etwas machen sollte, dann versteinerte er, ließ fallen was er in den Händen hielt, stellte seine Augen auf unendlich und war weg. Ein Standardspruch in unserem Haus war zu der Zeit ‚Erde an Oskar!‘ Mit Lautwerden oder gar zwingen erreicht man gar nichts in einer solchen Situation. Oskar stand dann einfach nur da, seine Arme wie aus Gummi, seine Augen zeigten, dass er ganz woanders war. Auch hier konnte manchmal die Handpuppe helfen. Doch die war ja nun nicht immer griffbereit. Was ich aber selber für mich entdeckte hatte war, dass wenn ich Oskar einfach ganz sanft übers Gesicht pustete, schaffte ich ihn in die Gegenwart zurückzubringen.

Arztbesuche

Dies war ein Punkt der für mich extrem stressig war. Oskar war nach unserem Umzug nach Kaiserslautern praktisch dauerkrank. Bis zu unserem Umzug waren wir wirklich von den meisten Krankheiten verschont geblieben. Mal ein Magen Darm Virus, mal eine Erkältung und auch mal etwas Husten. Hier aber hatte Oskar plötzlich mindestens ein Mal im Monate richtig schlimme Bronchitis, die bei ihm dann auch immer gleich obstruktiv wurde, so dass er kaum Luft bekam. Ich verbrachte also viel Zeit bei unserem Kinderarzt. Oskar mochte den Kinderarzt auch sehr gerne. Bloß wehe der wollte ihn dann anfassen oder gar untersuchen. Sobald Oskar angefasst wurde, war er wie ausgewechselt. Er brüllte, kratzte und tritt nach dem Arzt und seinen Helferinnen. Nur um abgehorcht zu werden musste ich ihn auf meinem Schoß halten und seine Arme fixieren. Mindestens eine Helferin war außerdem notwendig, um den Kinderarzt vor Oskars Tritten zu schützen. Und der arme Mann, der jedes Mal mit einer unglaublichen Ruhe reagierte, musste unter dem Gebrüll irgendwie hören, ob Oskars Lungen frei waren oder nicht. Und da Oskar in den letzten paar Jahren bereits zwei Mal eine Lungenentzündung hatte, war es dementsprechend wichtig dies auch immer zu kontrollieren. Dieses Spiel gab es bei jedem Arzt, jeder Ärztin. Vor jedem Besuch habe ich Oskar vorbereitet, habe ihm genau gesagt was höchstwahrscheinlich mit ihm gemacht werden muss, er hat brav genickt und versprochen kooperativ zu sein. Doch wenn es dann soweit war, war er wieder wie ausgewechselt. Dieses Problem hielt ganz lange, viel zu lange!, an. Immer wieder habe ich versucht herauszubekommen, warum er so ein Theater macht. Doch obwohl er inzwischen durchaus verbal war, konnte er mir darauf keine Antwort geben.

Ein einschneidendes Erlebnis war für mich deswegen unser erster Arztbesuch nach den Sommerferien 2013. Oskar war inzwischen 4 ¾ Jahre alt. Zuvor waren wir in unserem ersten Familienurlaub, in Südwales, gewesen. Zuhause angekommen mussten wir mal wieder wegen einer Bronchitis zum Arzt. Und dort geschah Unglaubliches! Oskar ließ sich untersuchen! Ich konnte es selber gar nicht fassen. Das Interessante kam, als wir wieder im Auto saßen. Oskar war ganz ruhig und sagte dann nur ‚Mama, heute hatte ich gar keine Angst mehr beim Arzt.‘ Was ihm zuvor diese anscheinend panische Angst bereitet hat? Ich werde es wohl nie wissen. An zu wenig Vorbereitung kann es jedenfalls nicht gelegen haben. Auf jeden Fall gab es seitdem kein einziges Problem mehr beim Kinderarzt. Im Gegenteil. Inzwischen ist dieser zu Oskars persönlichem Helden mutiert.

Veränderungen

Immer auffälliger wurde auch, dass Oskar starke Probleme damit hatte, mit Veränderungen klar zu kommen. Sei es, dass der Papa ihn ins Bett brachte statt mir, jemand zu Besuch kam den er nicht erwartet hatte, oder aber zum Beispiel im Hause etwas verrückt oder verändert wurde. Es wurde entweder mit Geschrei reagiert oder damit, dass er versteinerte und nicht ansprechbar war. Oder aber er versuchte den veränderten Gegenstand wieder richtig zu rücken oder gar zu entfernen.

So war es für Oskar ein großes Problem, als wir unseren kaputten Fernseher austauschen mussten. Der neue sah natürlich anders aus, und gehörte schlicht nicht in unser Haus. Nur mit Mühe konnten wir Oskar davon abhalten, den Fernseher nicht von der Wandhalterung zu reißen. Genauso war er alles andere als begeistert, als am 1. Dezember plötzlich Adventskalender an der Wand hingen. Etwas, auf das andere Kinder meist mit Begeisterung reagieren, führte bei Oskar dazu, dass er erst stocksteif stehen blieb, einen Schrei von sich gab und versuchte den Adventskalender von der Wand zu reißen.

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Letztes Jahr durfte Oskars Adventskalender schon hängen bleiben!

Ein weiteres Beispiel, was mir gut in Erinnerung geblieben ist, ist als wir das riesige Zimmer von Oskar und Frederik mit einer Leichtbauwand teilten, damit beide ihr eigenes Zimmer haben konnten. Natürlich wurde Oskar in jeden Schritt der Veränderung involviert, jeder Fortschritt wurde ihm gezeigt. Als die Arbeit dann nach zwei Tagen fertig war, habe wir uns bewusst erstmal nur Oskar geschnappt, um ihm in Ruhe sein neues Zimmer zu zeigen. Doch obwohl Oskar das Zimmer eigentlich schon fast fertig zwischendurch gesehen hatte, traute er sich nicht über seine neue Türschwelle hinüber. Er stand wie versteinert da, mit Panik in den kleinen Augen. Da kam zum Glück der kleine Frederik – 18 Monate damals – und lief ganz unbeschwert und begeistert erst in sein Zimmer und dann an Oskar vorbei in dessen Zimmer. Das brach den Bann und Oskar traute sich auch sein Zimmer zu betreten. Zwar reserviert, und versuchte seine Möbel an andere Orte im Zimmer zurückzustellen, aber er war nicht mehr komplett in Verweigerung. (Über diese besondere Rolle, die Frederik ganz selbstverständlich für Oskar eingenommen hat, werde ich an späterer Stelle mehr schreiben.)

Gleicherweise haben Oskar anstehende Ausflüge und Urlaube sehr aufgewühlt, was immer zur Folge hatte, dass schon einige Tage vor Abfahrt, sowie auch die ersten Tage nach Eintreten der Veränderung, sein Verhalten deutlich anstrengender wurde, und heftige Verweigerung und Wutanfälle und Schlafstörungen auf der Tagesordnung standen.

Aufreihen von Dingen

Oskar hat schon immer liebend gerne alles aufgereiht. Ob Spielzeug, Essen, Möbel. Statt mit Dingen zu spielen, hat er in aller Ruhe alles  sortiertund dann in eine Reihe gelegt. Noch vor ca einem Jahr war dies ein ganz typisches Bild bei Oskar. Inzwischen hat sich dies aber weitestgehend gelegt.

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Es gibt noch einiges an Besonderheiten, die es zu Oskar zu erzählen gibt. Doch die hebe ich erstmal für den nächsten Eintrag auf…

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