Oskars Geschichte

Unser kleiner Oskar

Unser kleiner Oskar

Michael mit Tim und Oskar

Michael mit Tim und Oskar

 

 

Die ersten zwei Jahre

Angefangen hat unser Leben mit ‘Oskarchen’ eigentlich ganz entspannt. Es musste zwar zwei Wochen vor Geburtstermin frühzeitig die Geburt eingeleitet werden, da Oskar nicht mehr wuchs und nur noch schlecht versorgt wurde, aber er wurde  – zwar recht leicht – gesund und munter geboren. Die ersten Wochen waren sehr ruhig, da Oskar eigentlich nur geschlafen hat. Da er noch recht starke ‘Gelbsucht’ hatte, war er dementsprechend müde. Nach etwa zwei Wochen trank er dann auffallend schlecht, und da er ja eh so zierlich war, musste ich dann zufüttern. Doch damit fingen die Probleme erst an, denn ich verbrachte von nun an eine geschlagene Stunde damit, einem kreischenden Oskar die Flasche zu geben. Er wehrte sich und nahm immer nur ein paar Schlucke auf einmal zu sich. Anschließend landete fast die gesamte Mahlzeit wieder auf meinem Oberteil.

Die SchreimonateOskar Box

Den ersten Monat war zum Glück Michael noch zu Hause, und so konnte er sich zumindest um Tim kümmern, der ja gerade einmal 20 Monate alt war. Doch danach war ich nicht nur tagsüber mit den Kindern alleine, sondern auch nachts, da Michael nur noch am Wochenende zu Hause sein konnte. Jede Mahlzeit verging wie oben beschrieben. Jede einzelne. Bloß kamen mit ca 6 Wochen noch Koliken hinzu, sodass der Nachmittag eigentlich komplett durchgeschrien wurde. Der arme Tim konnte es manchmal wirklich nicht mehr ertragen, so dass ich ihn kurzerhand über den Zaun zu den Nachbarn hob und versuchte, in Ruhe Oskar zu beruhigen.

Zum Glück waren diese Koliken tatsächlich wie durch Zauberhand nach Punkt 12 Wochen überstanden. Ich meine, dass wir danach mindestens zwei Wochen Ruhe hatten. Oskar trank besser und schrie weniger. Doch leider wurde uns diese Ruhe nicht lange gegönnt. Denn kurze Zeit später fing Oskar an, extrem sensibel auf Unruhe und andere Leute zu reagieren. Solange es nur Tim, er und ich waren, war es soweit in Ordnung. Aber sobald jemand zu Besuch war, oder wir irgendwo eingeladen waren, hat Oskar wieder nur gebrüllt. Dazu kam noch, dass er angefangen hat ganz stark zu fremdeln. Es war wirklich so, dass niemand auch nur in seine Richtung gucken, geschweige denn ihn anlächeln durfte. Besonders schwer war dies für Michael. Denn auch er wurde extrem angefremdelt, war er doch nur am Wochenende da.

Tim ich Oskar frühl 2009Ein Ort der Stille war unsere Reifenschaukel. Von Anfang an schien ihn dieses leichte hin und her zu beruhigen (ganz im Gegensatz zu Tim, der es nie lange aushalten konnte). Egal wie sehr Oskar schrie, wenn ich mich mit ihm gemeinsam auf die Reifenschaukel legte – oft mit Tim über meinen Beinen liegend – war er ruhig und zufrieden. Aber wehe ich wagte es aufzuhören! Als Oskar etwa acht Monate alt war, wurde es etwas leichter. Zwar konnte er immer noch Rummel und Lärm um ihn herum nicht gut haben, und auch hatte er nach wie vor eine ‘eingebaute Alarmanlage’ die verhinderte dass sich ein Fremder ihm auch nur näherte. Aber insgesamt wurde er etwas ruhiger.

Nachdem nun Oskar also etwas pflegeleichter wurde, kam das nächste Problem, dass Tim Oskar gegenüber immer aggressiver wurde. Wie schon in einem der Artikel über Tim beschrieben, schubste, biss und kniff er den kleinen Oskar mit einer Heftigkeit, dass es mir wirklich angst machte.

Erste Auffälligkeiten

Insgesamt entwickelte sich Oskar aber recht normal. Er saß selbstständig, krabbelte, fing an sich hochzuziehen. Alles Motorische war sehr gut entwickelt. Im Nachhinein betrachtet fingen aber schon mit ca. einem Jahr Auffälligkeiten an. Oskar sprach noch gar nicht, gab aber immer ganz schrille Töne von sich. Oft ganz plötzlich, so dass man richtig zusammenzuckte. Er hörte sich wie ein schreiender Vogel an. Mit Spielzeug konnte er nichts anfangen. Erstaunlich fand ich immer, dass er mit allem Lärm machte, obwohl er ja selber so hochsensibel gegenüber Lärm anderer war. Seine Lieblingsspielzeuge waren ganz lange diese Autos von Bob dem Baumeister, die einen Motor eingebaut haben. Wenn man sie etwas anstupst, dann werden sie durch die Reibung weiter angetrieben. Was Oskar ungelogen stundenlang machte war, dieses Auto ca. 30cm vorzuschieben, nur um es dann wieder zurückzuziehen. Und das immer und immer wieder. Es war ein ganz schreckliches Geräusch, und besonders auf Dauer kaum zu ertragen. Außerdem fing Oskar an, Dinge aufzureihen.

Oskar Schaukeö Früh 2010Doch wegen dieser Dinge machten wir uns noch gar keine Gedanken oder gar Sorgen. Erstes Stirnrunzeln kam eigentlich erst, als wir dabei waren uns auf den Termin für Tims offizielle Diagnose in Hamburg vorzubereiten. Dafür muss man schon im Voraus etliche Fragen beantworten bezüglich der Entwicklung und den Eigenschaften. Denn bei vielen Fragen sahen wir direkt Oskar vor uns.

Doch wir mussten uns jetzt erst einmal auf Tim konzentrieren. Und abgesehen von den oben genannten Auffälligkeiten – die vielleicht bei vielen anderen, neurotypischen Kindern auch zu beobachten sind – wurde Oskar auch wesentlich pflegeleichter. Er wurde auch Michael und meinen Eltern und Schwiegereltern gegenüber freundlicher und zutraulicher.

Was das Schlafen anging, so war Oskar zunächst eine wahre Wohltat, besonders nach Tim, der erst mit 20 Monaten alleine eingeschlafen und im eigenen Bett durchgeschlafen hat. Oskar hat bereits mit 5 Monaten durchgeschlafen. Allerdings nur bis 5 Uhr morgens. Danach konnte ihn nichts mehr zum Einschlafen bewegen. Zum Glück hielt auch Tim noch recht lange 2-3 Stunden Mittagsschlaf, so dass ich in der Zeit ein wenig Schlaf aufholen konnte – solange Oskar in derselben Zeit dann auch schlief.

Eine Sache bezüglich Oskars Schlafgewohnheiten, die ich bis heute nicht ganz verstehe, ist eine Phase, die wir durchlaufen durften als Oskar etwa 2 Jahre alt war. Ich hatte nie Probleme Oskar ins Bett zu bringen. Ich habe ihn abgelegt, er drehte sich zur Seite und schlief ein. Doch plötzlich fing er damit an, immer wieder aufzustehen. Ich dachte ich machte alles richtig, hab ihn jedes Mal geschnappt und habe ihn ohne nennenswerte Interaktion zurück ins Bett gesteckt. Irgendwann habe ich mich sogar ins stockdustere Zimmer gesetzt, und habe ihn direkt aufgefischt wenn er in meine Richtung kam. Schwierig war es auch, weil Oskar mit seinen zwei Jahren noch immer nicht sprach. Er konnte mir also auch nicht sagen, ob ihn irgendetwas störte. Manchmal dauerte dieses Spiel bis 21.30 oder länger. Und da ich da ja auch schon unseren Frederik hatte, und somit die Nächte auch gut beschäftigt war, und Oskar trotzdem pünktlich um 5 Uhr morgens wieder auf der Matte stand, war ich dementsprechend geschlaucht. Doch sobald Michael am Wochenende zuhause war, und er Oskar ins Bett brachte, war alles gut. Denn bei ihm blieb er auf Anhieb liegen!!

Jund und ich nach Fredes GeburtFrederiks AnkunftOskar und Frederik

Sowohl Tim als auch Oskar haben sich über Frederiks Ankunft gefreut und waren stolze große Brüder. Ich habe schon so oft gesagt bekommen, dass der Oskar ja wirklich eine ganz schwierige Position in der Familie habe. Ein Sandwich Kind. Der arme Kerl. Ich habe das schon damals überhaupt nicht nachempfinden können. Denn theoretisch ist es doch dieses Sandwich Kind, das sowohl einen 20 Monate älteren als auch einen 20 Monate jüngeren Bruder hat. Also gleich zwei Brüder, die ihm altersmäßig recht nahe sind. Aber besonders später waren wir für Oskar unglaublich dankbar dafür, dass er seinen ‘Gegick’ hatte.

Oskar war fast 2,5 Jahre, als wir nach Kaiserslautern zogen. Er sprach noch nicht, und schien noch weniger zu verstehen. Doch waren wir in der Zeit einfach überwiegend mit Tim beschäftigt, als dass wir uns darüber weiter Gedanken gemacht hätten. Zudem war er ja noch jung, und – wie alle betonten – zweisprachig. Außerdem, wir haben ja schon ein Kind mit Autismus. Warum sollten wir also noch so eines haben?

Wie ging es weiter? Kamen weitere Auffälligkeiten hinzu oder legte es sich alles wieder? Einfach dranbleiben, denn nach unserem Umzug nach Kaiserslautern änderte sich auch vieles bezüglich Oskar!

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